Alfi - Geschichten aus der Sicht eines kleinen Hundes

Ein "zahnloser" Winzling mit Biss - Alfi (Ende 31.08.2009)

In unserem Bericht über die Vereinsgründung haben wir ja bereits geschildert, dass der kleine Alfi die „Schuld“ daran trägt, dass wir diesen Verein ins Leben gerufen haben.

Alfi ist nur einer von unzähligen Abgabehunden und in seinen bisherigen Lebensjahren hat er vermutlich nicht viel Positives von uns Menschen erfahren dürfen. Einzelheiten sind uns nicht bekannt, aber sein Verhalten in der Anfangszeit sprach Bände.

Anfassen war kaum möglich, denn er hat bei jeder noch so kleinen Berührung angefangen voller Panik zu schreien und in seinen Augen stand das blanke Entsetzen. Ein winziges Kerlchen, bestehend aus Haut und Knochen, struppigem Fell mit kahlen Stellen, fürchterlich langen Krallen, Zähnen die eigentlich keine mehr waren und einem Gang, der völlig staksig und unbeholfen wirkte.

Jahrelang war er in einer Familie, die sich offensichtlich nicht ausreichend um ihn gekümmert hat und denen er eines Tages lästig wurde. Vielleicht wussten sie, dass seine Zähne mehr als dringend tierärztlich versorgt werden mussten und das war ihnen dieser Hund nicht wert. Oder er war genug herum geschubst, geärgert, als Spielzeug missbraucht und nun einfach uninteressant geworden.

Eine Antwort werden wir nicht bekommen und wichtig ist schließlich nur, dass dieses Leben für Alfi nun endlich ein Ende hat und er die Chance bekommt, ein rundum glücklicher Hund sein zu dürfen!

Hunde wie Alfi haben es besonders schwer, denn gerade diese winzigen Vierbeiner sind derzeit besonders in Mode. In den Medien sieht man viele Hunde, die nur auf dem Arm herum geschleppt und in bunte Kleider gesteckt werden. Selbst vermeintlich seriöse Züchter werben damit, dass so ein Hund als Auslauf lediglich eine Wohnung benötigt und vorbildlich eine Katzentoilette benutzt. Dabei haben diese kleinen Hunderassen genau die gleichen Bedürfnisse wie ihre größeren Artgenossen und aus welchem Grund auch immer werden sie ihnen einfach aberkannt.

Mit dieser Kolumne möchten wir Sie am Leben von Alfi ein wenig teilhaben lassen und Sie können sicher sein – eigentlich ist Alfi ein ganz Großer!

Alfis Einzug – alle sind größer ...

Wir hatten keine Ahnung, was Alfi zu Artgenossen sagen würde, aber solch eine Auskunft der vorherigen Besitzer wäre auch zuviel verlangt gewesen. Bei unserer Frage welches Futter er bisher bekam erhielten wir schließlich auch nur die pauschale Antwort „Hundefutter natürlich – was denn sonst…“.

Also einfach mal schauen, was alle Vierbeiner so zueinander sagen. Offensichtlich hatte Alfi noch nie mehrere Tiere auf einmal gesehen, denn er war ziemlich überrascht und wusste nicht so recht, wie er sich verhalten sollte. Die anderen Vierbeiner hatten in ihrem Leben wohl noch nie so etwas Winziges gesehen, denn keiner war sich sicher, ob es sich bei Alfi tatsächlich um einen Hund handelt. Immerhin ist er aber auch um knapp 5 cm kleiner als die kleinste Hundedame mit immerhin stolzen 24 cm Schulterhöhe im Haushalt…

Alle haben sich gut verstanden und in den folgenden Tagen immer weiter angefreundet. Inzwischen teilt er mit dem einen oder anderen Hund das Körbchen und alle haben sich daran gewöhnt, diesen Winzling immer mal wieder suchen zu müssen, denn er geht ja ohne mit der Wimper zu zucken und fast hoch erhobenen Kopfes locker unter dem Sofa durch…

Die ersten Ausflüge – ein Mantel muss her…

Aus dem erst so schüchternen und ziemlich verschreckten Alfi hat sich ganz schnell ein gestandener Hundemann entwickelt und Dank seiner gekürzten Krallen machen auch die Spaziergänge viel Spaß. Er will immer mit dabei sein, doch in der anfangs noch recht winterlichen und nass-kalten Jahreszeit hatte er mit so manch einer Hürde zu kämpfen.

Mit seinen kurzen und krummen Beinchen war es schnell geschehen, dass er in der einen oder anderen Schneewehe bis zur Nasenspitze verschwunden war. Das hat Alfi natürlich überhaupt nicht gefallen. Also wurden andere Wege ausgesucht, doch auch die Kälte taugte ihm nicht wirklich. Das lag sicher daran, dass er nie wirklich raus durfte und eigentlich mehr aus Haut und Knochen bestand.

Wie erklärt man aber so einem Hundemann, dass ein Mantel nicht nur schick, sondern vor allem sehr nützlich ist…? Im Freundeskreis wurden sämtliche Mini-Mäntel zur Verfügung gestellt, doch bei ca. 19 cm Schulterhöhe und knapp 2,3 kg „Kampfgewicht“ ist er in jedem Modell förmlich versunken. Auch in entsprechenden Geschäften konnten es ihm die verschiedenen Modelle nicht recht machen und was blieb übrig – selber was basteln…

Die spärlichen Strickkenntnisse aus der Schulzeit wurden ausgegraben, gemischt mit einem entsprechenden Anleitungsbuch, und so wurde an den folgenden Abenden und nach unzähligen Anläufen ein eigens für ihn entworfener Hundemantel gestrickt – Modell „Prinz“:

Sicher schützt der nicht gegen Nässe, aber wenigstens musste er nicht mehr ganz so arg frieren und man könnte meinen, dass er vor Stolz mindestens um 1 cm gewachsen ist …

Alfis Tasche – manchmal muss man erfinderisch sein …

Da Alfi so unglaublich panisch war, wenn man ihn tragen wollte, musste eine zündende Idee her. Sicher haben wir zu Beginn geschrieben, dass auch so winzige Hunde eben ganz echte Hunde sind und vermutlich würde nie Jemand auf die Idee kommen, seine Dogge einfach mal so durch die Gegend zu schleppen. Aber eine Dogge hat ja auch Vorteile: ihre Beine sind wesentlich länger und so kann sie die ein oder andere Hürde wesentlich leichter meistern.

Alfis "Stempelbeinchen" reichen da manchmal nicht und darum blieb uns für die Anfangszeit nichts anderes übrig, als uns eine Lösung zu überlegen. Und die fanden wir in Form einer schicken blauen Tragetasche mit weißen Pfoten – die „Alfi-Burg“. Ohne zu murren ist er hinein geklettert und damit konnte man ihn perfekt und ohne Stress auch mal tragen. Inzwischen ist sie aber nur noch ein beliebter Schlafplatz für ihn, wenn nicht ein anderer schneller ist...

Wir hätten nämlich nie damit gerechnet, dass sich in so eine kleine Tasche auch ein gut 60 cm großer Hund einrollen kann. Dazu braucht es nämlich nicht nur ausreichend Geschick, sondern eine ganz besondere Falttechnik und extrem klappbare Beine. Da uns das sonst keiner glauben würde, haben wir extra ein paar Beweisbilder parat:

Alfi und die Zahn-OP – Teil 1 …

So klein Alfi auch ist – sein Mundgeruch hätte auch einen Bären umgehauen. Jeder von uns kennt Zahnschmerzen, doch was dieser kleine Kerl seit Jahren erleiden musste, mag sich niemand vorstellen. Man konnte kaum einzelne Zähne erkennen und alles war mit einer betonartigen grauen Zahnsteinmasse überzogen. Um eine OP kamen wir also nicht herum…

Alfi in Narkose zu legen war schon mal die erste Schwierigkeit, bevor man überhaupt an die Zähne heran kam. Normalerweise hätte er nach der Spritze friedlich schlafen sollen, doch unser Wicht hatte einfach keine Lust. Immer wieder tauchte sein Kopf aus der Tasche auf, andere Leute wurden kurz angebellt und er war der Meinung, wir könnten die Praxis doch einfach wieder verlassen. Aber da hatte er nicht mit unserer Tierärztin gerechnet, die ihn mit behutsamer Raffinesse dann doch überzeugen konnte zu bleiben.

Während der OP taten sich immer mehr Abgründe auf, denn aus der ursprünglich geplanten Sanierung der Zähne wurde ein heilloses Zähne ziehen. Einige fielen gleich mit Entfernen des Zahnsteins heraus und andere hingen nur noch am seidenen Faden. Fast alle wackelten und es hatten sich Eiterherde gebildet.
Um den kleinen Mann nicht zu sehr zu strapazieren wurde eine weitere OP vereinbart, um sich um die restlichen Zahnruinen zu kümmern. Aber die schlimmsten Beißerchen wurden schon mal entfernt.
Den restlichen Tag hat Alfi nur noch geschlafen, aber bereits wenige Tage später war nicht zu übersehen, dass er mit Entfernen der Schmerzen ein großes Maß an Lebensqualität gewonnen hatte. Und auch wenn er nun keine Reklame für Zahnpasta machen kann, so kann er wieder futtern wie ein Staubsauger…

Alfi und der Wörthsee – sich tragen lassen ist uncool …

Die ersten Sonnenstrahlen kommen zum Vorschein und dann hält es natürlich niemanden mehr in den eigenen vier Wänden. Also raus an die frische Luft und ab ins Grüne! Wenn man schon so viel Grün vor der Tür hat, dann sollte man es auch nutzen und so ging es mit den Hunden im Gepäck zum Wörthsee. Eigentlich wollten wir schon die "Alfi-Burg" mitnehmen, in der man ihn in der Anfangszeit gut transportieren konnte, ohne dass er gleich vor Panik geschrieen hat. Zum Glück haben wir das nicht gemacht…

Wer den Wörthsee nicht kennt sollte wissen, dass der Rundweg ca. 3 Std. dauert und ungefähr 11 km lang ist. Also kein Vergleich zu den sonstigen Spaziergängen. Kaum aus dem Auto raus trabte Alfi los, die Ohren immer auf Empfang und die Nase fest am Boden. Schließlich wollte er ja nichts verpassen. Und so marschierte er Meter für Meter tapfer mit und wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wir hatten fest damit gerechnet, dass er nach einiger Zeit müde werden würde, aber da waren wir völlig auf dem Holzweg, denn Alfi machte keinerlei Anstalten sein Tempo zu verringern.

Es gab nur ein fast nicht zu erwähnendes Teilstück dieses Rundweges, der durch eine Art Moor führt. Da die dort eigentlich vorhandenen Holzbohlen größtenteils verschwunden waren, musste Alfi schweren Herzens kapitulieren und sich tragen lassen. Sonst hätten wir vermutlich nur noch eine Leine gesehen, die im Moor verschwindet, denn für diesen Weg war er eindeutig zu klein. Das hat natürlich ziemlich am Ego gekratzt und sobald er sehen konnte, dass der Weg besser wurde, hat er sofort angefangen zu zappeln, damit er endlich wieder auf seinen eigenen krummen Beinchen weiter sausen konnte. Während nach diesem Ausflug seine Hundefreunde in eine Art komatösen Schlaf gefallen sind, hat er weiter nach Abenteuern gesucht…

Alfi und die Katzen – wer ist schneller …

Die Katzen sind völlig fasziniert von dem winzigen Kerl und nachdem er sie öfter besucht und sich inzwischen alle besser kennen gelernt haben, hat er mit einer Samtpfote besonders Freundschaft geschlossen. In ihren wilden Minuten fegen sie um und unter den Möbeln durch und in dieser Zeit bleibt man am besten dort stehen oder sitzen, wo man sich gerade befindet. Egal was man auch gerade tun wollte, es lohnt sich unbedingt die zwei Rabauken zu beobachten. Beide sausen mit windschnittiger Figur quer durch die Räume und jagen sich gegenseitig. Wenn man es nicht besser wüsste, dann könnte man denken sie hätten dabei ein kreisrundes Grinsen im Gesicht…

Irgendwann ist das Spiel dann beendet und so schwer es auch fällt es aufzuschreiben – Alfi verliert immer. Aber nicht, weil er etwa zu langsam wäre. Nein, seine Spielkameradin wendet unsaubere Methoden an. Sie stürzt sich auf ihn, umklammert seinen Hals mit den Vorderpfoten, zwickt ihn zaghaft ins Ohr und bringt ihm somit zu Fall. Ist das nicht hinterhältig…?

Alfi hat Hunger – wann gibt es endlich wieder was zu Essen …

Alfi hat eigentlich immer Hunger und er kann unglaubliche Portionen verdrücken – wenn er denn dürfte. Es gibt feste Essenszeiten und die kennt er auch ganz genau. Morgens und abends nach den Spaziergängen ist es soweit und dann kann man mal sehen, was in so einen Knirps für Energien stecken. Er donnert zum Haus, kommt dank der Fußmatte knapp vor der Tür zum stehen und sobald es hinein geht, gibt es für ihn kein Halten mehr. Dieses Schauspiel ist nicht wirklich gut zu beschreiben – man muss es einfach erleben.

Wie ein geölter Blitz schießt er durch die Räume. Dabei macht er einen leichten Buckel und hüpft und tänzelt in einem leicht diagonalen Seitwärtsschritt um die Möbel und schnorchelt und prustet dabei. Wer das nicht schon mal gehört hat, könnte jetzt an gesundheitliche Beschwerden denken, doch der kleine Kerl hat einfach mal wieder Bärenhunger. Gemäß dem Modell Staubsauger wird der Napf in minutenschnelle und bis auf den letzten Krümel gereinigt und Zähne braucht er dafür keine.

Wir haben schon überlegt, ob wir ihn nicht in einer Tanzgruppe anmelden, aber da würde er sicher keine ebenbürtige Partnerin finden, die mit ihm mithalten könnte…

Alfi feiert Ostern – wie vergrault man die Nachbarshunde …

Die Feiertage standen vor der Tür und so hat Alfi sein kleines Köfferchen gepackt und ist mit seinen Hundefreunden weg gefahren. In den folgenden Tagen hat das Wetter richtig gut mitgespielt und so konnten die Hunde viel Zeit im Garten verbringen.

Es hat nicht lange gedauert, bis Alfi den Garten zu seinem Besitz erklärt hat und der Meinung war, dass die Nachbarshunde doch ausziehen sollten. Dazu sollte man wissen, dass es sich bei den Nachbarshunden um zwei ziemlich imposante Schäferhunde handelt, die man mit ca. 19 cm Körpergröße nicht so leicht beeindrucken kann. Das hat Alfi natürlich auf die Palme gebracht und nachdem er ihnen gedroht hat seine Freunde zur Hilfe zu rufen, standen auch gleich seine Kumpels Gewehr bei Fuß, um ihn zu unterstützen. Wenn die Schäferhunde gekonnt hätten, dann hätten sie sicher gelacht, aber so haben sie sich lieber versucht auf seine Augenhöhe in den Rasen zu drücken und ihm zum Spielen aufzufordern.

Ostereier gab es für Alfi keine, aber dafür eine ganze Menge anderer aufregender Dinge zu entdecken und weil er den ganzen Tag damit beschäftigt war den Garten im Auge zu behalten, hat er nachts sehr gut geschlafen. In seiner "Alfi-Burg" genüsslich auf den Rücken gerollt, alle Viere baumeln lassen, lässig die Zungenspitze rausgestreckt und – wie so oft – laut geschnarcht…

Eine Nacht war ihm allerdings im Nachhinein ziemlich peinlich. Da gab es nämlich ein Gewitter und er hat sich ziemlich in die Hose gemacht – unser Schäferhund-Vertreiber. Man konnte gar nicht so schnell gucken, wie er am Fußende des Bettes unter der Decke verschwunden war, um sich dann mit unglaublicher Geschwindigkeit bis zur Nasenspitze seiner Pflegemama hin zu robben, um dort wie ein klapperndes Häufchen Elend irgendwann mit einem tiefen Seufzer einzuschlafen.

Alfi und die Zahn-OP – Teil 2 …

Nun war es soweit und die zweite und letzte Zahn-OP stand auf dem Programm. Diesmal sollten den verbliebenen Schmerzen auf die Pelle gerückt werden, damit er endlich Ruhe hat.

Doch zuvor war es mal wieder aufregend, denn trotz anderer Narkose wusste Alfi genau, wie man dagegen vorgeht. Vermutlich hat unsere Tierärztin jetzt ein graues Haar, aber wir hatten ja nie behauptet, dass so ein Winzling auch einfach zu haben ist…

Die OP hat er gut überstanden und er ist nicht ganz zahnlos! Drei winzige Beißerchen – seine sog. „Kuchenzähne“ – durfte er behalten, doch die anderen konnten nicht mehr gerettet werden. Bereits auf der Rückfahrt war Alfi schon wieder ziemlich munter und so war es nicht denkbar, dass er sich den Spaziergang mit seinen Hundefreunden entgehen lassen würde.

Auch daheim war der die ganze Zeit hinter seinem Pflegefrauchen her und hoffte darauf, dass es endlich wieder was zu essen gibt, doch darauf musste er noch ein wenig warten.

Alfi und das Auto – nimm bloß die Finger weg …

Wie schon beschrieben, ist Alfi im Kreise seiner Pflegefamilie inzwischen zum munteren, lustigen und auch selbstbewussten Kerlchen geworden. Während seine Pflegemama die ganzen Jahre über dachte, dass das Auto ihr allein gehört, war Alfi da nun anderer Meinung. Schließlich ist er der Mann im Haus und die haben ja bekanntlich immer eine Schwäche für Fahrzeuge…

So kam also der Tag, an dem man – wie schon so oft – mal wieder Futternachschub eingekauft werden musste. Prinz Alfi hatte sich in Position gerückt, um jeden möglichen Autodieb in die Flucht zu schlagen.

Bei seiner Größe musste er sich nicht mal verstecken, sondern einfach nur scheinbar harmlos rum liegen und darauf warten, dass sich neugierige Nasen an die Autoscheibe drücken. Klar, wer hatte auch schon mal so einen winzigen, putzigen und friedlich schlafenden Hund gesehen…

Doch dann kam sein Einsatz: er schoss vom Sitz und brüllte aus Leibeskräften! Das Ergebnis waren aufgerissene Augen, verblüffte und leicht gerötete Gesichter, ein überraschter Rückzug und dann die peinlich fragenden Blicke, ob irgendein anderer Besucher dieses Supermarktes wohl bemerkt haben könnte, dass man von so einem Knirps soeben in die Flucht geschlagen wurde…

Alfi und der Schönheitsschlaf – wer schnarcht hier …

In der ersten Nacht hat seine Pflegemama kaum ein Auge zugemacht, denn zu groß waren ihre Sorgen um Alfi. Inzwischen hat sie sich an die merkwürdigen Geräusche gewöhnt. Alfi schläft nämlich nicht immer ruhig und vor allem lautlos wie viele seiner Artgenossen. Es ist aber auch nicht dieses typische Schnarchen, bei dem man Angst um seine Holzmöbel bekommt…

Alfi schnarcht, röchelt, schnorchelt, schmatzt und quietscht nämlich im Schlaf! Das zwar nicht regelmäßig, aber wenn, dann sehr gut hörbar! Meist liegt er dabei auf dem Rücken, hat seine Stempelfüßchen in die Luft gestreckt und zur Krönung hängt die Zungenspitze lässig heraus. Im Laufe des Schlafes trocknet die meist ziemlich aus und wird zu einem Stück Pappe. Und dann ist natürlich klar, wenn die Zunge so fest trocknet, dann macht es ja auch komische Geräusche, wenn er sie wieder beleben muss…

Alfi und seine Freunde – wer zuerst was Interessantes findet hat gewonnen …

Alfi ist zwar jetzt nicht gerade der Typ, der zwingend Artgenossen zum glücklich sein braucht, aber gegen nette Gesellschaft hat er nichts einzuwenden. Dabei ist es ihm auch völlig egal ob Männlein oder Weiblein und das er mit keinem von ihnen wirklich auf Augenhöhe steht. Die Spaziergänge sind inzwischen fest zu einem Ritual geworden und wenn er weiß, dass es nun mit seinen Hundefreunden durch die Wiesen und Felder geht, dann zappelt er schon im Auto vor sich hin und kann es kaum erwarten. Es heißt nur noch: Leinen los und dann legt er einen strammen Schritt vor.

Meist hält er sein Pflegerudel dabei im Blick, doch wenn ihm ein offensichtlich besonderer Duft in die winzige Knubbelnase gestiegen ist, dann kann er auch schon mal die Ohren spontan zuklappen und stur in die für ihn so wichtige Richtung marschieren. Zum Glück ist er aber unglaublich bestechlich und wenn man mit etwas Essbarem winkt, dann kann er sich den Rückzug schon mal überlegen…

Alfi und die Zunge – es gibt auch Körperteile mit Eigenleben …

Wer bisher immer gedacht hat, dass die Zunge eines Hundes ebenso zu ihm gehört wie ein Ohr, oder der Hundeschwanz, der wird von Alfi eines Besseren belehrt.

Wo Alfi auch immer steht, geht, sitzt und liegt - die Zungenspitze baumelt immer lässig aus seiner winzigen Schnauze. Alfi ist zwar nicht gerade der Typ, der wirklich cool wirkt, aber damit strahlt er einfach noch viel mehr Charme aus. Da seine Zunge diesen Charakterzug bereits vor den Zahn-OPs an den Tag gelegt hat, kann man es nicht mal damit entschuldigen, dass die nun fehlenden Zähne daran schuld sind...

Sie hat nun mal ein Eigenleben und auch wenn es nicht immer hochgradig intelligent ausschaut oder sie ihm beim Schlafen immer mal wieder leicht eintrocknet und er sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten muss, so ist sie einfach einzigartig und Niemand, der Alfi bisher kennen gelernt hat, kann ihn sich ohne diesen genialen Gesichtsausdruck vorstellen.

Alfi und die Zecken – müssen wir eine Vollnarkose einleiten …?

Auch in diesem Jahr machen die Zecken trotz Schutzbehandlung leider nicht immer Halt vor wehrlosen Hunden - und somit auch nicht vor Alfi...

Eigentlich war es ein ganz normaler Morgen und die Hunde standen schon bereit zum Ausflug ins Grüne. Ohne Hundegeschirr verlässt jedoch keiner das Haus und so wurde auch Alfi in sein schickes grünes Geschirr geschnallt. Na ja, eigentlich blieb es eher bei dem Versuch, denn aus heiterem Himmel fing er plötzlich fürchterlich an zu brüllen. Es war schauerlich und sofort klar, dass etwas ganz Schreckliches unseren Winzling befallen haben musste.

Also Kommando zurück, Alfi erst mal schnappen und vorsichtig den gesamten Hund genauestens absuchen. Wer sich das leicht vorstellt, liegt da leider völlig falsch, denn "befummeln" lässt Alfi sich nicht gerne in solchen Notsituationen.

Wir hatten schon leichte Bedenken, dass inzwischen die gesamte Nachbarschaft aus dem Bett geschossen war, denn sein Gebrüll war nicht nur verblüffend laut für so einen Wicht, sondern auch in einer ziemlich hohen und überhaupt nicht mehr männlichen Stimmlage. Die Feststellung, dass er eine Memme ist, war schnell getroffen.

Nun aber schauen, was den armen Alfi so sehr quält, dass er nicht mal den geliebten Spaziergang antreten kann...

Und da war sie plötzlich - eine futzige aber fiese Zecke, die sich gemeinerweise an sein zartes Öhrchen geheftet hatte. Kaum war der Übeltäter enttarnt, fing Alfi noch mehr an zu jammern und zu tänzeln. Um mit der Zeckenzange nicht auch noch sein Ohr einzuzwicken, war also eine Engelsgeduld gefragt.

Schon schweißgebadet vor lauter Mitleid und Angst um die Nachbarschaft wurden Alfi folgende Möglichkeiten angeboten, um die Zecke endlich entfernen zu können:

a) wir fahren zum Arzt, lassen ihn in Narkose legen, entfernen die Zecke und Frühstück ist gestrichen oder
b) er hält nun still, wir entfernen das Ding und im Anschluss gibts was Essbares

Alfi hat sich schlauerweise dann doch für Variante b) entschieden und so konnten wir die Zecke unbeschadet und in Eigenregie los werden.

Er war stolz wie Oskar, musste aber doch noch ein wenig den Leidenden spielen und das geschädigte Ohr hing ziemlich leblos an ihm dran. Na ja, wir haben das einfach mal übersehen und nach den ersten paar Schritten im Grünen war er schon wieder ganz der Alte und seine schwere Verletzung war zum Glück vergessen...

Alfi und das Grün – ein VHS-Kurs zum Rasenmähen wäre nicht schlecht …

Tja, wenn man so winzig ist wie unser Alfi, dann hat man im Winter mit diversen Schneewehen zu kämpfen und im Sommer manchmal mit dem lästigen Grün...

Eigentlich ist er ja ein kleiner Kämpfer und lässt sich so schnell nicht demotivieren, aber im hohen Gras kommt auch er an seine Grenzen. So passiert es - wie jeden Tag, dass er im Eifer des Gefechts mal wieder spontan vom Weg abweicht und sich ins Gebüsch schlägt.

Nichts Böses ahnend hatte man den Wicht gerade noch im Blick und mit einer Sekunde auf die andere ist er einfach so verschwunden und wie vom Erdboden verschluckt.

Bevor man aber gleich in Panik ausbricht, sollte man mal die Grashalme beobachten, denn man kann versichert sein das er sich dort, wo es am meisten raschelt und das Gras am auffälligsten wackelt, aufhält.

So wie er ins Gebüsch hinein gekommen ist, so kommt Alfi aber noch lange nicht wieder heraus, denn so Grashälmchen können schon hinterhältig sein und sich um die winzigen Stempelfüßchen wickeln... Also wütet unser Prinz noch mehr, fängt an zu schnauben und zu prusten, stolpert über seine eigenen Beine und kommt mit wilder Frisur wieder ans Tageslicht.

Wer Alfi also adoptieren möchte, der sollte auf jeden Fall eine Rasenfläche der Marke "Wimbledon" sein Eigen nennen, denn Alfi steht auf gepflegtes und stets kurz geschorenes und anständig gepflegtes Grün...

Alfi und die Sauberkeit – auch Hundemänner sind reinlich ...

Alfi ist ein besonders reinlicher Hund und er hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn man ihm nach dem Speisen eine gescheite Serviette reichen würde.

An so viel Etikette bei einem Hund muss man sich natürlich erst mal gewöhnen und da nicht Jeder gleich eine noble Stoffserviette zur Hand hat, sucht Alfi sich eben eine Alternative, um sein zartes Schnäuzchen nach jeder Mahlzeit ausgiebig "abzutupfen".

Im Galopp geht es zügig zum nächsten Hundekorb oder Hundekissen und dann stürzt er sich kopfüber hinein. Den Po fest in die Höhe gestreckt schubbert er dann voller Inbrunst seine Schnute von links nach rechts, dann wieder zurück und das Ganze natürlich sehr ausgiebig. Schließlich weiß man ja nie, wer vielleicht noch zu Besuch kommen könnte und dann muss man ordentlich aussehen - was sollen sonst die anderen Leute von ihm denken...

Alfi und der Regen – könnte mir jemand mal einen Schirm reichen …?

Auch sonst ist Alfi sehr auf sein Äußeres bedacht und hat einen leichten Reinlichkeits-Tick. Dieser macht sich besonders bei Regenwetter bemerkbar, denn das kühle Nass taugt ihm ja so überhaupt nicht.

Mit hängenden Ohren schleicht er durch die Gegend und zwischendurch macht er einen erfolglosen Versuch den Tropfen auszuweichen, indem er leicht hilflos aussehende Seitwärtssprünge absolviert.

Flotter wird sein Schritt erst, wenn er weiß es geht Richtung Heimat. Dann berühren seine Pfoten kaum den Boden und dafür ist er auch bereit jede Abkürzung zu nehmen - auch wenn sie durch die tiefsten Pfützen geht und er bis zum Kinn im Wasser steckt.

Daheim angekommen muss er sich nicht nur ausgiebig schütteln, um das lästige Wasser aus seinem zarten Fell zu bekommen, sondern er besteht darauf gescheit abgetrocknet zu werden. Man nimmt also ein großes Handtuch, lässt Alfi darunter komplett verschwinden und rubbelt ihn vernünftig trocken. Liegt sein Handtuch nicht am Eingang parat, dann hilft nur eines: selbst ist der Mann!

Also wie beim Essen - ab in den nächsten Korb oder auf eine Decke und dann so lange herum wälzen und strampeln, bis die Frisur wieder sitzt...

Alfi und die Ameise – Tatbestand Körperverletzung …

Erst kürzlich wurde unser Alfi wieder Opfer eines heimtückischen Anschlages! Während einem ausgedehnten Spaziergang im Grünen ertönte plötzlich ein markerschütternder Schrei aus dem Gebüsch und schon war es passiert:

Eine besonders hinterhältige Ameise hatte sich Zutritt zu einem seiner Stempelfüße verschafft und unseren Prinzen zu Fall gebracht!!!

An eine Fortsetzung des Spaziergangs war somit nicht mehr zu denken, denn die Ameise hatte Alfi schwer verletzt und sich dreisterweise dann umgehend aus dem Staub gemacht. Mit unglaublich hilflosem Blick gab es nur noch eine Möglichkeit: der Prinz musste getragen werden...

Wie einen Lutscher stopfte er sich den winzigen Fuß in die Schnute und versuchte so, die Schmerzen zu betäuben. Da half auch kein Trösten unsererseits, denn wenn Alfi einmal leidet, dann auch richtig...

Den gesamten Abend war er kaum ansprechbar und er war ausschließlich damit beschäftigt seinen Fuß zu retten, der inzwischen schon ganz matschig war. Von einer Anzeige wegen Körperverletzung gegen unbekannt hat er jedoch Abstand genommen - war ihm wohl dann doch zu peinlich...

Alfi und die Interessenten – jetzt wird es ernst …

In den letzten Tagen ist eine Menge passiert und vor allem für Alfi wurde es richtig aufregend. Im Februar diesen Jahres kam er zu uns und seitdem ist viel geschehen: Seine Zähne wurden entfernt, er hat seine Lebensfreude entdeckt und aus einem kreischenden Bündel "Etwas" hat sich ein charmanter und charakterstarker kleiner Kerl entwickelt, der jeden lässig um die Pfote gewickelt hat.

Alfi war mit verantwortlich für unsere Vereinsgründung und er ist einfach ein ganz besonderer Wicht, der nicht nur für sich selbst sehr viel gelernt hat, sondern dem vor allen wir unglaublich viel zu verdanken haben. Seine anfangs panische Art hat uns sicher das eine oder andere graue Haar und einen erhöhten Puls, bange Stunden und manch eine versteckte Träne gekostet, aber vor allem unzählige schöne, beeindruckende und lustige Momente und Situationen.

Seit seinem Einzug gab es viele Anfragen und vielleicht haben Sie sich bereits gewundert, warum so ein flotter Feger immer noch nicht unter unseren "Glücksfellen" zu finden ist? Ja, es hat lange gedauert, aber für so einen einmaligen Schützling bedarf es auch einem ganz besonderen Zuhause.

Dieses baldige neue Zuhause haben wir mit Alfi in den letzten Tagen ausgiebig durchschnüffelt. Es haben einige Treffen stattgefunden, damit vor allem unser Prinz die Möglichkeit hatte zu entscheiden, ob er die Interessenten in seinen erlesenen Freundeskreis aufnehmen möchte - schließlich ist er da leicht wählerisch... :-))

Aber Alfi findet sie klasse! Mit einem lässigen Sitz auf dem Schoß seines neuen potentiellen Dosenöffners hat er entschieden, dass diese Menschen genau seine Kragenweite sind. Den Katzen gegenüber hat er sich gewohnt lässig verhalten und auch wenn die sich noch nicht ganz sicher sind, um welche Art Lebewesen es sich bei Alfi handeln könnte, so waren sie doch eher freundlich interessiert bis ziemlich zurückhaltend.

Tja, diese Zeilen werden nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge geschrieben, denn auch wenn wir uns immer ein tolles Zuhause für Prinz Alfi gewünscht haben, so graut es uns vor dem Abschied in wenigen Tagen...

Natürlich ist es eine der Aufgaben im Tierschutz ein Tier zu betreuen und zu begleiten, um es dann in die liebe- und verantwortungsvollen Hände von Adoptanten zu übergeben. Doch manche Schützlinge wachsen einem ganz besonders ans Herz - so wie Alfi...

Aber wir haben ihm versprochen ein tolles Zuhause zu finden und so packt er nun sein Köfferchen, um in Kürze bei seiner künftigen Familie sein Unwesen zu treiben :-))

Alfi ist weg – er hat wirklich sein Köfferchen gepackt …

Viele von Ihnen haben mit dieser Kolumne Alfi und uns begleitet und mit Begeisterung und Anteilnahme seine Geschichte verfolgt. Dies werden nun die letzten Zeilen sein, aber wir freuen uns riesig, dass sie an dieser Stelle mit einem großen Happy End für unseren kleinen Prinzen abschließen!!!

Alfi lebt jetzt seit einer guten Woche bei seiner neuen Familie und alles klappt bestens. Er fühlt sich rundum wohl. Um seine Stempelfüßchen hat er seine Begleiter bereits vollständig gewickelt und in seinem Herzen hat er Platz für sie geschaffen. Nun hat er endlich das gefunden, was wir uns so sehr für ihn gewünscht haben - eine richtige eigene Familie.

Dort darf er nach Herzenslust Hund sein, muss keine Angst mehr vor Menschen haben und ihm ist es vergönnt all die Spaziergänge zu unternehmen, von denen er sechs Jahre lang nur träumen durfte...

Wir wünschen Alfi und seiner neuen Familie alles erdenklich Gute und möchten uns ganz herzlich dafür bedanken, dass sie ihn adoptiert und seinen größten Wunsch erfüllt haben - nämlich endlich geliebt und verstanden zu werden.

ENDE...

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