Kapitel 02: Einfach glücklich!

Juni 2014

Schreckliches Warten

Die Wochen der Warterei waren zermürbend. Einen zähflüssigen Tag nach dem anderen hakten wir ab. Mühsam versuchten wir uns abzulenken und sehnsüchtig warteten wir auf neue Informationen aus Spanien. Frau Danner hatte unendlich viel Geduld mit uns, obwohl sie mit E-Mails geradezu bombardiert wurde. Wir erfuhren, dass die Spanier völlig aus dem Häuschen waren, da sie zum ersten Mal in ihrer Tierschutzgeschichte eine ganze Katzenfamilie vermitteln durften. Auch wir waren aus dem Häuschen!

Endlich!

Endlich kam DER Tag, auf den wir so lange gewartet hatten. Zu Hause trafen wir die letzten Vorbereitungen: Katzenklos aufbauen, Transportkörbe herrichten, Futter hinstellen, letztes Spielzeug arrangieren. Irgendwie ging auch dieser letzte Tag vorüber. Es wurde Abend. Inzwischen müssten die Katzen die Fahrt zum Flughafen hinter sich haben. Dann das Einchecken. Unser Herzschlag wurde schneller.

Die Fußball-WM lenkte uns kaum ab. Im 10-Minuten-Takt riefen wir den Flugstatus des Air Berlin Flugs ab. Zum Glück alles planmößig! Eigentlich müsste unser Katzen-Quartett nun in der Luft sein. Wie aufgeregt mussten die Kleinen sein! Hoffentlich waren sie nicht panisch vor Angst! Was taten wir ihnen da nur an? Wir beteten, dass alles gut ging! Die Aufregung wurde immer greifbarer. Wir tigerten in der Wohnung herum. Würden sich Kräuterschnaps und Dr. Bachs-Rescue-Tropfen miteinander vertragen? Ich wagte das Experiment.

Rendezvous am Flughafen

Das Adrenalin strömte nur so durch unsere Körper, als wir uns endlich auf den Weg zum Flughafen machen konnten. Das Begrüßungskomitee stand schon bereit, genauso aufgeregt wie wir. Wir tauschten die letzten Neuigkeiten aus. Hank und Tamy hatten am Flughafen wohl die Leute gut auf Trab gehalten und den einen oder anderen mit diversen Kratzern versorgt. Dann endlich – ENDLICH kamen die Flugpaten voll beladen mit mehreren Katzenkisten.


Wo waren unsere?? Wir versuchten durch die Gitterstäbe zu schauen und in dem Wirrwarr von Windeln und Decken die Katzenkinder zu identifizieren. Tamy und Mucki waren zusammen in einer Box, Raspi und Hank in der anderen. So hätten wir es auch gemacht. Dicht gedrängt, still und sehr verschüchtert saßen sie in der hintersten Ecke der Box. Schnell jagten wir durch den Flughafen zum Umsetzen in der behindertengerechten Toilette.

Der erste Kontakt

Dann half es alles nichts - die Katzenkinder mussten aus ihren Boxen raus. Raspi war ganz verträglich, hielt es sogar 5 Sekunden auf meinem Arm aus, Hank leistete schon mehr Widerstand, war aber dann froh, in der neuen Kiste verschwinden zu dürfen. Ich war schweißgebadet. Egal, denn ich hatte ja noch 2 vor mir. Mucki war der nächste. Er war nicht begeistert, aber hielt es dann auch 2 Sekunden für seinen Fototermin auf meinem Arm aus. Noch war ich ohne Fauchen und Kratzer davon gekommen. Nun war unsere Diva Tamy an der Reihe. In der hintersten Ecke saߟ sie. Beherzt griff ich rein und hatte schon ihre Krallen in meiner Hand. Ich bekam Tamy trotz ihrer erstaunlichen Kräfte raus, aber dann entwischte sie mir. Frau Danner packte den Korb samt Mucki, stellte ihn vor Tamys Nase und drin war sie. Geschafft! So schnell es nur ging, liefen wir mit unseren Körben samt Inhalt zum Auto. Nur noch 25 Minuten hatten unsere Süßen vor sich, bis wir zu Hause waren. Nach kurzer Zeit begann ein Gruuu-Konzert hinter uns. Irgendjemand mit einem heiseren Stimmchen gurrte uns hinter unserem Rücken an. Wie lange würde es dauern, bis wir die Stimmen auseinanderhalten würden?

Endlich zu Hause

Vier aufmerksame Augenpaare beobachteten uns, als wir endlich zu Hause ankamen. Korb auf und wir verzogen uns. Raspi war wieder die Mutigste und stieg als Erste aus. Die anderen folgten schnell. Wir hätten nach den Erlebnissen aus Spanien alles verwettet, dass wir Tamy und Hank heute nicht mehr sehen würden. Stattdessen schlichen sie mutig, aber noch mit durchgedrücktem Rücken und mit weit aufgerissenen Augen und langem Hals durch die Wohnung. Nach und nach holten sie auch den letzten Staub aus den Ecken unter den Betten hervor. Wir verloren völlig den Überblick, wer wo war. Sie entdeckten die Toiletten und es begann ein wildes Scharren. Hochzufrieden schaufelten wir kurze Zeit später 4 kleine und 4 große Geschäfte heraus. Das hatten unsere Katzenkinder schon mal prima erledigt. Und wir hatten uns da wohl 4 Labertaschen angelacht. Äußerst gesprächig, aber alle etwas heiser, erzählten sie sich die tollsten Geschichten, was sie so alles in unserer Wohnung entdeckten. Es waren die wundersamsten und melodischsten Töne, die wir je gehört hatten. Gurrende Tonleitern auf Spanisch!

Die Kleinen wurden immer aktiver, ihr Gang wurde lockerer, der Rücken gerader. Erstaunlicherweise war Tamy, die uns doch als so ängstlich beschrieben wurde, die erste, die mit hoch aufgerichtetem Schwanz zahlreiche Runden durch die Wohnung machte. Liebevoll begegneten sich die 4 immer wieder, schmusten sich ab, gurrten sich an und sahen sich weiter um. Die Holzgiraffe fiel um, im Bad wurden die Cremetöpfe aufgeräumt, in der Badewanne machte es Patsch, die Kommode wurde erfolgreich umgestaltet. Unzählige Male hörten wir sie an den Fressnäpfen, wo sie mit wachsender Begeisterung fraßen. Im Laufe der Nacht tauschte ich das Supermarkt-Matschepatsche-Essen in immer hochwertigeres Futter um. Alles wurde fein säuberlich aufgegessen. Damit war das auch geklärt.

Einfach glücklich!

Mein Mann und ich saßen auf unseren Beobachtungsposten, schauten der Rasselbande zu und mischten uns nur wenig in ihre intensiven Gespräche ein. Wir übersetzten simultan, welche Katze gerade sichtbar war. Näher an sie heran kamen wir in dieser Nacht allerdings nicht. Dafür konnten wir sie uns erst einmal so richtig ansehen. Bildhübsche Katzen! Eine schöner wie die andere! Wir mussten ihnen aber dringend ein bisschen Speck anfuttern. Und wir hatten uns bereits unsterblich in sie verliebt! Nach eineinhalb Stunden Besichtigung unserer Wohnung waren die 4 immer noch aktiv, uns fielen dagegen langsam die Augen zu. Es war schon 3.30 Uhr! Wir versuchten es mit - €Gute Nacht, Tamy! -€œ, - €žGute Nacht, Raspi! €žGute Nacht, Hank! €žGute Nacht, Mucki! Aber es blieb bei dem Versuch! Hank kam einfach nicht zur Ruhe und lief weiterhin laut flötend und zwitschernd durch die Wohnung.

Auch die Mädchen blieben wach und neugierig und sangen ihre Tonleitern hoch und runter. Immer wieder sprangen sie für kurze Zeit ins Bett, schnuffelten und verzogen sich wieder. Tamy fand sich schließlich ihren Platz zum Ausruhen in der Afrika-Ecke und verzog sich hinter Giraffe und Massai-Statue. Hank bevorzugte die Sicherheit unter dem Bett, Raspi zupfte sich den Vorhang zurecht, Mucki schaute immer wieder im 2-stöckigen Katzenhaus vorbei.

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