Kapitel 11: Urlaubsvorbereitungen

3. August 2014

Mucki und sein Antibiotikum – die Fortsetzung

Beim vierte Versuch, Mucki das Antibiotikum zu geben, kratzte er meinen Mann an der Hand. Damit stieg mein Mann aus dem Geschäft aus und überließ mir Mucki und das bittere Pulver.

Jedes Mal musste ich mir einen neuen Plan zurechtlegen, um Mucki in einem Zimmer zu isolieren, denn freiwillig Mund aufmachen ging nicht. Nach wie vor lehnte er jedes Katzen-Leckerli ab und ich musste bei der Spritze-in-den-Mund-Methode bleiben.

Jedes Mal musste ich mir einen neuen Plan zurechtlegen, um Mucki in einem Zimmer zu isolieren, denn freiwillig Mund aufmachen ging nicht. Nach wie vor lehnte er jedes Katzen-Leckerli ab und ich musste bei der Spritze-in-den-Mund-Methode bleiben.

Je mehr Türen sich um Mucki herum schlossen, um so resignierter reagierte er. Er blieb neben mir sitzen, maunzte mich an, ließ sich streicheln. Ich redete beruhigend auf ihn ein, erklärte ihm geduldig die Situation und robbte mit der Spritze in der Hand hinter ihm her. Ich versprach ihm, ihn nicht festzuhalten, denn das hasste er wie die Pest. Dann versuchte ich ihn zu überreden, das bittere Zeugs zu schlucken. 49-mal drehte er den Kopf weg, beim 50. Mal schluckte er. Was war er nur für ein geduldiger, lieber und braver Kater!!!

Manches Mal musste ich ihm die Reste der Katzen-Leckerpaste um das Mäulchen schmieren. Und was machte Mucki? Er lief jammernd zu Raspi, klagte ihr sein Leid und ließ sich gründlich und fein säuberlich die Paste vom Gesicht schlecken.

Nach ein paar Tagen wusste Mucki genau, dass jeden Morgen und jeden Abend die Aktion von vorne begann. Es wurde immer komplizierter, ihn zu separieren. Eines Tages, nach 20-mal Medikamenten-Kampf, war es völlig vorbei und artete in Stress für Mensch und Tier aus. Die Glastür war inzwischen Hassobjekt Nr. 1 geworden und jeder meiner Schritte wurde argwöhnisch beobachtet. Unser Rudel wusste genau, dass ich es eigentlich nur auf Mucki abgesehen hatte und ließ ihn daraufhin niemals allein. Kollektiv gingen sie durch die Glastür zum Essen oder auf die Toilette, einer stand immer Schmiere. Sobald ich um die Ecke bog, gab es einen Warnlaut und weg waren sie. Ich war chancenlos und kam nicht mehr an den inzwischen fauchenden Mucki heran.

Unser ganzes aufgebautes Vertrauen war dahin und die Rolle als Katzenquälerin gefiel mir gar nicht. Durch meinen Kopf geisterte »... MUSS das Antibiotikum bekommen ... regelmäßig, jeden Tag ... alle zwölf Stunden ...«. Aber daraus wurde nichts mehr! Sie misstrauten mir so sehr, dass ich schließlich nur noch Raspi streicheln konnte, alle anderen machten einen großen Bogen um mich. Vielleicht war es gar nicht schlecht, wenn wir bald in den Urlaub fahren würden? Wie lange hält so eine Erinnerung im Katzengedächtnis?

Ich gab es auf – dann eben kein Antibiotikum mehr! Diese gute Nachricht verkündete ich Mucki und plötzlich war unsere kleine Katzen-Bande wieder entspannter und zutraulicher. Als ich abends nach Hause kam, lagen Mucki, Hank und Tamy in meinem Bett und schliefen tief und fest – jeder in einer eigenen Kuhle der Bettdecke. So schlecht war unsere Verständigung dann wohl doch nicht!

 

 

Der 3. Besuch der Tierärztin

Ich musste mal wieder ran – die Tierärztin kam. Sie wollte sich Tamy mal näher anschauen und ihr mit ihren Milben-Ohren helfen. Außerdem erhofften wir uns eine Entwarnung wegen Muckis Zähnen.

Wieder konnten es die Katzen nicht fassen, dass die sonst so zuverlässige Dosenöffnerin heute einfach nicht so gut funktionierte. Sie jagten sich gegenseitig wild durch die Wohnung, bauten ihren Frust solange ab, bis sie sich schließlich erschöpft zum Schlafen verzogen.

Ich entwarf inzwischen mehrere Pläne, wie ich die ärztliche Anweisung –Tamy bitte im Flur unterbringen – umsetzen sollte. Eigentlich unmöglich – ich konnte froh sein, wenn ich sie aus dem Wohnzimmer bekam. Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem ich aktiv werden musste. Mir grauste es und ... es ging völlig schief.

Ich entwarf inzwischen mehrere Pläne, wie ich die ärztliche Anweisung – Tamy bitte im Flur unterbringen– umsetzen sollte. Eigentlich unmöglich – ich konnte froh sein, wenn ich sie aus dem Wohnzimmer bekam. Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem ich aktiv werden musste. Mir grauste es und ... es ging völlig schief. Nach einer Stunde hatte ich zwar Raspi und Mucki verräumt, aber an die anderen beiden im Wohnzimmer kam ich nicht ran. Ich rief um Hilfe! Mein Mann kam sofort aus dem Büro nach Hause gerast, aber auch so kamen wir keinen Schritt weiter.

Die Tierärztin trug es mit Fassung und erwischte Tamy mit der Narkosespritze im letzten Winkel der Wohnung. Als Tamy schlief, wurde ein sehr guter Gesundheitszustand festgestellt, auch die Ohren waren viel besser. Um sie mussten wir uns keine Sorgen machen – wunderbar! Und – wir mussten natürlich unsere Chance nutzen und durften sie zum 1. Mal streicheln. Tamy hat ein ganz seidig, weiches Fell, einfach wunderbar! Wir genossen einige Streichler, denn dieses Gefühl werden wir so schnell sicherlich nicht unter unseren Händen spüren.

Dann machten wir uns an Raspi heran. Pfote heilt gut, Ohren noch furchtbar verdreckt. Sonst alles prima!

Dann machten wir uns an Raspi heran. Pfote heilt gut, Ohren noch furchtbar verdreckt. Sonst alles prima! Mucki war der nächste Patient. Ihn fischten wir aus dem untersten Karton mit gepackten Urlaubssachen heraus und setzten ihn unter die Schreibtischlampe. Dann hielt ich die Luft an! Wirkte das Antibiotikum? Hatte der tägliche Kampf irgendetwas gebracht? Das Zahnfleisch war immer noch tiefrot, aber doch besser als vor zehn Tagen. Die Ärztin freute sich über seine neu entdeckte Lebenslust und das vermehrte Fressen. Sie stimmte einem weiteren Abwarten zu.

Hank fischten wir dann auch noch unterm Sofa hervor. Er floh im Affenzahn davon. Die geschlossene Glastür hielt ihn schließlich auf. Die gute Nachricht dafür war: gesund und munter mit letztem Milbendreck – alles war gut!

Während wir in jedem Zimmer die verteilten Tierarzt-Utensilien zusammensuchten und die weitere Vorgehensweise besprachen, klagten sich Mucki, Hank und Raspi gegenseitig ihr Leid. Sie maunzten sich an, schleckten sich ab und versuchten sich wieder zu beruhigen. Tamy wachte schon in ihrer Transportbox auf, in der sie sich noch ausruhen sollte.

Wir verabschiedeten die Tierärztin und fielen uns völlig geschafft in die Arme. Unser Bedarf an weiteren Besuchen war erst einmal gedeckt.

Am gleichen Tag erhielten wir ein so nettes Email unserer Tierärztin:

»Dass das Ganze ziemlich heftig ist für alle Beteiligten tut mir sehr leid, 
liegt aber fast in der Natur der Sache. Drei halbscheue und eine ganz
scheue Katze zu zähmen und das auch noch gleichzeitig, ist eine  echte Herausforderung.
Verlieren Sie nicht den Mut. Ich fürchte dennoch, dass ein halbes Jahr vergeht,
bis ein echtes Vertrauensverhältnis da ist. Vor allem auch, weil alle Angst haben.
Verlieren Sie nicht den Mut und  haben bitte Geduld. Das wird sicher. Aber es dauert.

Lieben Gruß Tina«

Urlaubsvorbereitungen

Die Sommerferien kamen in großen Schritten näher. Wir planten generalstabsmäßig die Versorgung unserer Lieblinge. Im Moment war es zwar kaum vorstellbar, dass wir auch nur einen Tag ohne sie aushalten würden, denn ich vermisste sie spätestens nach ein paar Stunden. Aber Urlaub und Erholung waren auch wichtig!

Wir instruierten unsere Nachbarin und eine Freundin. Wir luden sie ein, zeigten ihnen alles und warnten sie vor dem Erfindungsreichtum der Miezen und den verrückten Stunden des Tages. Trotz unserer ernsten Worte wollten es die Tapferen versuchen!

Wir organisierten einen Probeabend, als wir bei Freunden eingeladen waren. Als wir nachts nach Hause kamen, lag ein Zettel auf der Treppe: »Hurra! Ich wurde als Dosenöffnerin akzeptiert! Alles weitere morgen! Gute Nacht!«

Am nächsten Tag erzählte uns unsere Nachbarin mit leuchtenden Augen, wie schön es bei uns war und dass sie gar nicht mehr gehen wollte! Wir waren begeistert und konnten dem Urlaub schon sehr viel entspannter entgegensehen! Wir trafen zuversichtlich die letzten Vorbereitungen! Das große, zusätzliche Urlaubsklo wurde aktiviert, ich baute Futtertürme für die nächsten Wochen und schrieb Listen mit Plänen, Anweisungen und guten Ratschlägen. Dann musste doch einfach alles gut gehen, oder?

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