17.06.2010 - Im Möbelladen

Der Tag beginnt bei uns jetzt immer, in dem alle beide noch mal, bevor ich aufstehe, in mein Bett dürfen. Da schnarcht es, unmittelbar an mir dran, natürlich nach 2 Sekunden gleich und Madame de la Afrika Noir schaut mit fragendem Gesicht in die kleene Schnarchnase daneben, und beschnüffelt sie. „Kammer hier vielleicht auch noch mal irgendwann am Morgen ein Auge zutun, oder geht das jetzt ständig, dieses Grunzen?“ Kaum DAS zu Ende gedacht, fällt auch schon das schwarze Köpfchen gelähmt zur Seite. So können die beiden dann noch glatt eine Stunde dicht an dicht liegen, ohne dass eine sich an der anderen stört. Selbstverständlich gibt es darüber Beweismaterial, sprich, süße Fotos. Wenn ich sie dann nicht wecken würde, dann schliefen sie vermutlich den Dornröschenschlaf.

Es ist nun, 14 Uhr, Einkaufszeit in einem kleinen, übersichtlichen Möbelladen und Mia-Wau fährt selbstverständlich in ihrem neuen, roten Trolley mit. Sitzend im Einkaufswagen inspiziert sie nicht nur alle Waren aufs Genaueste, auch die Leute ringsum, ob die sich auch angemessen verhalten. Jeder, der sie sieht (sie kann aus dem Trolley aus dem oberen Fenster, dies kann geöffnet werden, mit dem kompletten Köpfchen hinausschauen), ist gleich aus dem Häuschen, wie süüüüß sie doch ist, und ob sie beißen würde. Beißen, wenn ich  das  dann höre ... Mia-Wau und beißen. Das ist was, das geht wirklich nicht zusammen. Aber wer soll’s denn wissen.

Freilich darf man Hoheit  in unserem Beisein streicheln. Eine der Kassiererinnen tat dies dort aus vollster Leidenschaft und überaus ergiebig, dass meine Mutter und ich schon dachten, wir müssten hier evtl. übernachten. Sie musste sich dann selber wieder zurückpfeifen, endlich damit aufzuhören, da sie sonst nach eigener Aussage bis nachts nichts anderes täte. Und schließlich auch Ärger mit ihrer Chefin bekommen würde; denn sie ist ja vorwiegend zum Arbeiten, nicht zum Streicheln, angestellt. Sie habe auch einen Hund gehabt, einen Pudel, „der war, wie mein Kind“ ... Dann ist er irgendwann gestorben, was so traumatisch für sie war, dass sie sich seither keinen ... Das kam uns auch bekannt vor. 

Ebenso die prinzipielle Tatsache, dass man mit Hund – egal wie klein – plötzlich dreifach so viele soziale Kontakte bindet. Nicht unbedingt unangenehm in einer Zeit, in der die Mensch­heit sich selbst gegenüber immer kälter wird. War echt lustig heute dieses Einkaufserlebnis. Mia-Wau schien es auch gut zu gehen; sie war ganz interessiert an Allem und Jedem, und wackelte fröhlich mit ihren kleinen Öhrchen. Sie inspizierte auch alle Gegenstände, die wir in den Wagen legten, ob das alles seine geordneten Bahnen ginge; nichts Überflüssiges gekauft würde. Ja, auch so eine kleine Supervisorin – im Sinne von Kontrolleurin -, das muss sein.

Nach der Zeit zum ausgiebigen Ausruhen ist jetzt wieder Spaziergehzeit für Mia-Wau. Ein wenig leid tun kann es einem schon, wenn immer nur Mia-Wau mit in die Peripherie darf, und Mia-Miau zu Hause das Haus hüten muss; unfrei­willig, versteht sich von selbst.

Der Tag ging schön zu Ende, Mia-Wau hat alle Geschäfte gemacht, die täglich für sie anstehen; gut gegessen, getrunken – was will man mehr. 

Seit gestern übrigens mutierte sie zum „großen Wachhund“, der ja eigentlich, wie wir alle wissen, in ihr steckt, und nur raus wollte!!!
So bellt sie im Garten jeden an, der kommt, den sie noch nicht kennt. Denn: das muss man wissen, der Garten ist jetzt in ihren Besitz über­gegangen, selbstredend mit dem dazugehörigen Grundstück. Wir mussten uns totlachen, als sie heute schon wieder bellte; wie gestern, als unser Nachbar es sich wagen wollte, sich zu uns zu setzen, um gemeinsam ein Glas Wein zu nehmen. Wenn sie dann nach einigen Gesten merkt, dass  wir  denjenigen wenigstens kennen, dann ist sie höchst zufrieden. - „Ich hab euch zumindest gewarnt! Da will ich mir nämlich nichts nachsagen lassen!“ – legt sich darnieder, und wälzt sich, wie gewohnt, im Gras. Dann ist alles wieder in Ordnung, nach den drei, vier Bellern. Und die müssen sein, das seh’n sogleich wir ein!

Nun ist sie müde langsam. Liegt auf der Küchen-Couch, wie jeden Abend, auf die wir uns dann dazugesellen. Drollig ist jetzt noch: Normalerweise lege ich sie auf die Couch und komm’ wenige Minuten später hinzu. Nun sitz ich aber doch länger hier beim Schreiben, da fühlt sie sich anscheinend einsam und kommt grad zu mir ins Wohnzimmer, um sich an meine Füße ins Körbchen zu legen – versteht sich von selbst - , um sofort Schnarchgeräusche ...

Nachgedanke oder Vermutung:

Mia-Miau scheint sich langsam in diese Wuschelautoritätsperson zu verlieben, denn seit zwei Tagen versucht sie sie, heimlich zu küssen; falls man das so deuten darf. Mia-Miau möchte mit ihrer Nase an der anderen schnüffeln ... andocken. Das macht sie ganz leicht nur, und sehr behutsam. Grazil, keineswegs vereinnahmend oder übergriffig.
In dem Moment jedoch, wo beide Näschen sich berühren, fängt unsere stolze Wachhündin ganz, ganz leise an zu knurren. Und auch nur ganz kurz: „ ... hrrrrrrrr ....“  Alsdann schiebt Madame de la Afrika-Noir, sich wieder leisen Pfötchens von Dannen. „Na gut, das will die anscheinend nicht, ... dann geh ich eben wieder.“  

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