08.11.2009 - Die Sache mit dem Vertrauen

Liebe Frau Danner,

als ich vergangenen Do. abend (5.11.) heimkam, begrüßte mich meine alte Dame herzlichst schnurrend. Dann versuchte sie, auf die hölzerne Wäschetruhe, auf der ich zum Schuwechsel saß, zu springen, fand dort keinen Halt und fiel hinten auf den Rücken runter! So erschrocken wie ich war, zeigte auch sie sich - und leider auch beschämt. Ich hab mich gleich zu ihr auf den Boden gekniet und sie niedergeschmust, damit sie sich wieder wie meine geliebte Katze fühlt - hat offenbar auch ganz schnell gewirkt. Nur dämmerte mir dabei, daß sie wahrscheinlich deswegen nicht den Kratzbaum nutzt, weil sie an dem steilen Ding weder hoch, noch wieder runter kann. Wie muß ich meine Schöne beim ersten Freigang nur genervt haben mit meiner Panik, daß sie keinen anderen Ausweg sah, als den benachbarten Lattenzaun mit ihren letzten Kräften zu erklimmen. Eine Schande für mich! Den Abend verbrachten wir dann auf der Couch kuschelnder Weise, wobei mich zunehmend der Wetterbericht für`s Wochenende interessiert, ob ich garteln kann und Minky damit ihren nächsten Ausgang unter Aufsicht bekommt. Der Wetterbericht war nicht gerade toll, aber auch nicht gerade zum Stuben hocken, was mir bereits vermehrte Panikattacken mit grassierenden Herzklopfen bereitete, wenn ich an den nächsten Tag dachte.Freitag, 6.11., ein lärmender Werktag mit hupendem Kran und fleißigen Arbeitern auf der benachbarten Baustelle, die sich lauthals Infos zuriefen, normalen Verkehrsgeräuschen, unterbrochen von hysterischem Martinshorn, und ab und an einsetzenden Glockenschlägen der nahe gelegenen Kirche (Prien hat das dritt-größte Geläut Bayerns) öffnete ich mutigen Herzens und mit zittrigen Händen Terrassen- und Fliegengittertür, gefolgt von meiner total gelassenen Schnecke.

Ich ergriff sofort den Rechen und harkte trotz windigen Wetters sinnloserweise Laub zusammen, um mit dieser rhythmischen Bewegung incl. entsprechendem Geräuschpegel Ruhe und Gelassenheit zu demonstrieren. Das interessierte meine Süße aber kaum, denn sie inspizierte ganz gelassen ihre ausgedehnten Latifundien, ob sich auch seit dem ersten Freigang nichts verändert habe.

Nur, wenn plötzlich mal ein neues Geräusch auftauchte, schreckte sie kurz hoch, warf einen kurzen Sicherheits erheischenden Blick auf ihren manisch harkenden Dösen- und Türöffner, der sich inzwischen selbst innerlich beruhigte, und widmete sich dann "ihrer" Katzenminze, die ich bereits im Mai in weiser Vorhersehung, daß ich bald mit einer Katze leben würde, gepflanzt hatte. Sie knabberte erst daran und dann wälzte sie sich darin - es muß wirklich ein ganz besonderes Odeur haben!

Letztendlich setzte ich mich total entspannt in den gepolsterten Gartenstuhl, schaute Minky beim Stromern zu und gelangte zur festen Einsicht, daß jegliche Form von Freiheit auf gegenseitigem Vertrauen basiert. Warum sollte meine Herzdame denn eigentlich weglaufen, ausser aufgrund von einer Schrecksituation, und dann NICHT MEHR zurückkommen? Tiere laufen nur von daheim weg, wenn sie schlecht behandelt werden und das kann bei "unserer Landidylle" trotz mancher Meinungsverschiedenheiten, die Minky und ich ab und an haben, ja wirklich nicht der Fall sein. Ich muß mich wirklich von meinen ureigenen Horrorvisionen lösen und so cool wie meine bezaubernde Mieze werden.

Liebe Grüße,
Heike W.

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